Hautkonservierung
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Di. 19.05.09 20:50 Verfasser: Unbekannt

Bärenfell einweichen

Noch eine Frage: ich habe ein trockengegerbtes Bärenfell. Wie lange / in welche Lösung (reicht ein Einweichen ins Novaltanbad?) können wir diese einweichen um die Felle wieder elastisch zu machen um diese dann für eine Präparation wieder verwenden zu können?
Els Wuyts, 19. 05. 2008
Zitat
Di. 19.05.09 20:51 Verfasser: Unbekannt

Re: einweichen

Bärenfelle sind äusserst heikel. Am sichersten sind frisch gegerbte Felle, von denen man weiss, dass sie in der Gerberei durch ein gutes Entfettungsbad gegangen sind. Alles andere ist Russisches Roulette, da man nicht immer sieht, was verbleibendes Fett oder schlechte Gerbung an Säureschäden schon angerichtet hat oder wird. Der Kontakt mit barem Wasser kann eine üble chemische Reaktion auslösen, die das Fasergefüge dermassen lockert, dass die Häute bei Zug zerreissen.
Grundsätzlich sollte man die Felle in einer kalten Lösung 1 Liter Wasser mit ca. 20 bis 25 Gramm aufgelöstes Salz aufweichen. Ob man zusätzlich versuchen sollte, Molescal oder Mortanol zu verwenden oder die Lösung leicht sauer zu halten, muss jeder selber entscheiden, ich hatte damit noch keine schlechten Erfahrungen, mag aber nicht dafür verantwortlich sein, wenn es schief geht. Schlecht gegerbte Felle sind unberechenbar, selbst bei mehr Salz auf den Liter habe ich schon heftige Hitzeentwicklung wegen verbleibener Restsäure gehabt, die dann das Fasergewebe geschädigt hat. Schlussendlich ist ja auch das Einweichen in einer Salzlösung nicht gerade optimal, da man eigentlich salzfreie Felle haben möchte. Eine optimale Lösung ist auch mir nicht bekannt.
Ich lege meine Felle einfach in die Lösung und unterstütze den Einweichprozess, indem ich von Zeit zu Zeit die Haut von Hand dehne. Manche USA- Präparatoren meinen, auf diese Weise verliert die Haut an Dehnbarkeit, man dürfe nur Kopf und Pfoten in die Lösung tauchen, der Rest dürfe nur mit einem Schwamm immer wieder auf der Fleischseite eingenässt werden und zusätzlich von Hand oder Werkzeug gestreckt werden. Ob das stimmt, kann ich nicht beurteilen.
Die Einweichzeit richtet sich nach der Dicke und Kompaktheit der Haut, ein junges Tier mit dünner Haut ist natürlich wesentlich schneller eingeweicht, als ein altes Tier. Ich hatte einen uralten, nicht dünngeschnittenen Kragenbären, der im Schulterbereich und Hals dicke Lederschilde wie ein Wildschwein hatte und wegen dem die Gerbung nicht ganz vollständig war. Die Einweichzeit war entsprechend lang. Es bleibt nichts anderes übrig, als immer wieder zu überprüfen, ob die Haut elastisch genug ist.
Gerne würde ich von den Bärenspezialisten unter den Kollegen Erfahrungen und Tips lesen.
Marcel Rother, 16. 07. 2008
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